gc4-202x300Ein Arbeitskreis des GI-Präsidiums hat sich unter Leitung von Ex-Vizepräsidentin Simone Rehm mit der Frage beschäftigt, was große Herausforderungen der Informatik in der Zukunft sein könnten. Aus den eingereichten Vorschlägen wurden durch das Präsidium schließlich fünf Themen als die (ersten) Grand Challenges der Informatik ausgewählt.

Eine „Grand Challenge“ in / für die Informatik ist dabei ein grundsätzliches (fundamentales) Problem, dessen Lösung (mit Informatik-Hilfsmitteln) einen deutlich spürbaren Fortschritt in ökonomischer, sozialer oder gesellschaftlicher Hinsicht für unser aller Leben bedeutet.

Der Fachbereich Mensch-Computer-Interaktion der GI hat in Zusammenarbeit mit Aktivisten aus anderen anderen Fachbereichen die Grand Challenge “Allgegenwärtige Mensch-Computer-Interaktion” eingebracht.


Die Kurzbeschreibung dazu lautet:

In unserer immer mehr von digitalen Kommunikations- und Informationsangeboten bestimmten Welt entscheidet die wirkungsvolle Nutzung von Computern – insbesondere die Interaktion zwischen Mensch und Computer – zunehmend über persönlichen Erfolg und gesellschaftliche Teilhabe. Wie kann die Informatik bei der Gestaltung von Interaktion und Benutzungsschnittstellen dazu beitragen, dass Menschen möglichst aller Altersstufen, körperlicher und geistiger Verfassung, Bildungsabschlüsse, kultureller Hintergründe, gesellschaftlicher Funktionen und ökonomischer Möglichkeiten gleichermaßen von der Informationstechnologie profitieren können?

Mit der Weiterentwicklung interaktiver und multimedialer Anwendungssysteme steigt auch deren Komplexität. Anwender haben inzwischen eine Vielzahl unterschiedlicher Interaktionsgeräte zur Verfügung: private mobile Geräte, Tablets, interaktive Tische, öffentliche Interaktionswände und vieles mehr. Wie lässt sich sicherstellen, dass Einzelpersonen oder Gruppen diese Geräte intuitiv erfolgreich nutzen können? Niemand möchte für jedes Gerät eine ausführliche Gebrauchsanweisung studieren. Außerdem werden immer mehr Dienste über diese Geräte angeboten und genutzt. Die Dienste und ihre Verknüpfungen untereinander sind heute oft nicht verständlich. Eine benutzergerechte Gestaltung der Mensch-Computer-Interaktion bezieht daher auch die genutzten Dienste ein und integriert sie in ein transparentes und verständliches Gesamtkonzept. Ein wichtiger Aspekt ist dabei die Absehbarkeit von Folgen. Da Menschen bei der Interaktion mit Computern vielfach Aktionen wie den Abschluss eines Vertrages oder die Übermittlung persönlicher Daten auslösen, sollten sie bereits vor der Interaktion die Konsequenzen ihres Handelns verlässlich einschätzen können.

Eine unmittelbar verständliche oder selbsterklärende Nutzung ist ein wichtiges Teilziel bei der Senkung der Zugangsvoraussetzungen. Neben Fragen der Software-Ergonomie spielt dabei die Fähigkeit zur kontextgerechten Konfiguration und Adaption eine wichtige Rolle. Der Anspruch adaptiver Informationssysteme ist es, sich automatisch und intelligent an den Nutzerkontext anzupassen, um Interaktion einfach, wirkungsvoll und individuell zu machen. Neue Interaktionswege – etwa die Verarbeitung natürlicher Sprache oder das Erkennen von Gesten – setzen wenn möglich direkt bei den natürlichen Fähigkeiten des Menschen an. Trotz beachtlicher Fortschritte in den letzten Jahren gibt es große Herausforderungen und Chancen gerade bei der transparenten Integration auf verschiedenen Ebenen. Interdisziplinarität und Zusammenarbeit von Experten aus Informatik, Psychologie, Design und anderen Fachgebieten sind gefragt.

Angemessen gestaltete Mensch-Computer-Interaktion soll es Menschen aller Alters- und Bildungsstufen künftig erlauben, die inzwischen allgegenwärtigen Kommunikations- und Informationsangebote mühelos zu nutzen und an gesellschaftlichen Prozessen in Bildung, Kultur und Politik teilzunehmen. Idealerweise schaffen Interaktionssysteme während der Nutzung ein Bewusstsein für die Folgen der Interaktion sowie für die Verantwortung des Nutzers für sich und andere.

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